Botschafter*innen


Unsere Botschafter*innen für E2H

Für das Projekt eines queeren Wissens-, Archiv- und Museumshauses, das wir in seiner Planungsphase vorläufig E2H – nach Johanna Elberskirchen und Magnus Hirschfeld – benannt haben, haben sich zwei Dutzend Wissenschaftler*innen aus allen Disziplinen bereit erklärt, für dieses Ziel eines „Queeren Leuchtturms“ in Berlin als Botschafter*innen bzw. Pat*innen zu wirken. Es sind, auf Englisch, „ambassadors“, die nicht allein das queere Wissenschaftsfeld mit repräsentieren, sondern auch aus nicht explizit queeren Institutionen und Arbeitskontexte kommen.

Geleitworte zu E2H:


• ANDREAS BRUNNER | „Eine bedeutende Erleichterung für Forschende“ [Click]

Andreas Brunner war Gründungsbuchhändler von Löwenherz, Österreichs einziger schwul/lesbischen Buchhandlung und 1996 Mitbegründer der Regenbogen Parade. Daneben Forschungen zur schwulen Geschichte Wiens. 2005 Co-Kurator der Ausstellung „Geheimsache: Leben. Schwule und Lesben im Wien des 20. Jahrhunderts“. Seit 2007 Co-Leiter von „QWIEN – Zentrum für schwul/lesbische Kultur und Geschichte“, wo er sich neben eigenen Forschungsprojekten vornehmlich zur NS-Verfolgung Homosexueller dem Aufbau eines Archivs zur LSBTI* Geschichte widmet.


Warum E2H, Andreas Brunner?

„Das E2H kann die historische Forschung zu LSBTI*-Themen intensivieren und die auf diesem Feld arbeitenden Institutionen vernetzen, ohne dass sie ihre Eigenständigkeit und ihre Forschungsschwerpunkte aufgeben müssten. Synergieeffekte und der Zugang zu vielfältigen Quellenbeständen unter einem Dach stellen eine bedeutende Erleichterung für Forschende dar. Ich stelle mir das E2H als queeren Wissensspeicher vor, der kräftig nach außen strahlt.“

• CLAUDIA BRUNS | „Wunderbar angemessene Würdigung“

Claudia Bruns ist seit 2013 Professorin für Historische Anthropologie und Geschlechterforschung sowie Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie ist in die Leitung des „Transdisziplinären Zentrums für Geschlechterforschung“ (ZtG) eingebunden und war Sprecherin des DFG-Graduiertenkollegs „Geschlecht als Wissenskategorie“. Sie forscht zur Geschichte der (Homo)Sexualitäten, zur Körpergeschichte, zur Jugendbewegung und zur Geschichte des Männerbunds sowie zur Geschichte von Rassismus und Antisemitismus. Gegenwärtig arbeitet sie zu den Raum- und Grenzdiskursen Europas seit der Antike.


Warum E2H, Claudia Bruns?

„Mit dem Elberskirchen-Hirschfeld-Haus werden zwei Persönlichkeiten geehrt, die für sexuelle Selbstbestimmung und gegen Diskriminierung anders liebender Menschen gekämpft haben. Dass nun auch Johanna C. Elberskirchen als politisch wie sozial engagierte und offen lesbisch lebende Feministin mehr Aufmerksamkeit bekommt und angemessen gewürdigt wird, finde ich wunderbar!“

• NINA DEGELE | „Real ist besser als virtuell“

Dr. phil. Nina Degele ist Professorin für Soziologie und empirische Geschlechterforschung an der Universität Freiburg. Sie forscht zu Geschlecht und Gesellschaftstheorie, qualitative Methoden der Sozialwissenschaften, Alltag (sich schön machen, Schmerz), Sport (Sexismus, Rassismus und Homophobie im Fuflball), seit 2012 wissenschaftlicher Beirat Bundesstiftung Magnus Hirschfeld.


Warum E2H, Nina Degele?

„Das Elberskirchen Hirschfeld Haus muss endlich realisiert werden, weil virtuell gut, real aber besser ist.“

• FRANZ X. EDER | „Ein vorbildlicher Schritt“

Univ.-Prof. Dr. Franz X. Eder arbeitet am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte der Familie, des Konsumierens, Körpers und der Sexualität; Arbeiten zur Diskurs- und Bildanalyse. Aktuelle Publikationen u.a.: Sexuelle Revolution? Zur Geschichte der Sexualität im deutschsprachigen Raum seit den 1960er Jahren, Berlin 2015 (hg. mit Peter-Paul Bänziger, Pascal Eitler, Magdalena Beljan); Homosexualitäten. Diskurse und Lebenswelten 1870-1970, Wien/Weitra 2011; Kultur der Begierde. Eine Geschichte der Sexualität, München 2. erw. Auflage 2009.


Warum E2H, Franz X. Eder?

„Aus meiner Forschungspraxis weiß ich, wie wichtig es ist, dass Archivalien und Quellen zur Geschichte der Sexualitäten, Geschlechter und Queerness erhalten, dokumentiert und zugängig gemacht werden. Das Elberskirchen Hirschfeld Haus (E2H) für queere Forschung, Bildung und Kultur stellt deshalb einen großen Schritt in diese Richtung dar und sollte ein Vorbild für weitere Einrichtungen im deutschsprachigen Raum sein.“

• UTE FREVERT | „Progressive Projekte zukunftsoffen weiterentwickeln“

Ute Frevert lehrte Neuere Geschichte in Berlin, Konstanz und Bielefeld. Von 2003 bis 2007 war sie Professorin an der Yale University, USA. Seit Januar 2008 ist sie Direktorin am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, wo sie den Forschungsbereich „Geschichte der Gefühle“ leitet, und Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft. Ihre Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Kulturgeschichte der Moderne, Geschlechtergeschichte, Neue Politikgeschichte, Geschichte der Gefühle.


Warum E2H, Ute Frevert?

„Ich finde es wichtig, an die progressiven Projekte der Weimarer Republik anzuknüpfen und sie zukunftsoffen weiterzuentwickeln. Das neue Haus tut also genau das Richtige!“

• VALENTIN GROEBNER | „Vergangenheit in Unordnung bringen“

Valentin Groebner, Jahrgang 1962, ist Professor für Geschichte an der Universität Luzern. Die Vergangenheit, die ihn beschäftigt, ist gewöhnlich eng mit der Gegenwart verhängt: Er hat daher über Gewaltbilder geschrieben, (Ungestalten, 2003), über die Entstehung von Ausweisen und Steckbriefen (Der Schein der Person, 2004), über moderne Inszenierungen von Geschichte (Das Mittelalter hört nicht auf, 2008) und über akademischen Jargon (Wissenschaftssprache. Eine Gebrauchsanweisung, 2013, und Wissenschaftssprache digital. Die Zukunft von gestern, 2014). Zuletzt publizierte er über die Geschichte des Gesichts als Aufmerksamkeitsmaschine (Ich-Plakate, Frankfurt/M. 2015).


Warum E2H, Valentin Groebner?

„Um bislang Unerzähltes erzählbar zu machen. Und um die Vergangenheit in Unordnung zu bringen.“


• Sabine Hark | „Auch queere Leben wollen erzählt werden“

Die Soziologin Sabine Hark ist Professor*in für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der TU Berlin und leitet dort das Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung; Mitherausgeber*in der Zeitschrift Feministischen Studien. Arbeitsschwerpunkte sind: Geschlechterforschung als kritische Ontologie der Gegenwart; geschlechtersensible Wissenschaftssoziologie und Hochschulforschung sowie Feministische Erkenntnistheorie und Queer Theorie.


Warum E2H, Sabine Hark?

„Weil ein Ort für queere Forschung, Bildung und Kultur in Berlin längst überfällig ist. Weil auch queere Leben erzählt werden wollen. Denn verstehen wir Geschichte als die kontinuierliche Beziehung zwischen dem, was bereits existiert, und dem, was die Zukunft ausmachen wird, heißt das, dass wir auch durch unsere Erzählungen mit darüber bestimmen, welches Begehren und welches Lieben in Zukunft lebbar sein kann.“

• Christa Hämmerle | „Bekenntnis der Stadt für Toleranz und Vielfalt“

Christa Hämmerle ist seit langem durch ihre Forschungen, Projekte und Funktionen in der Frauen- und Geschlechterforschung aktiv. Sie ist Univ.-Prof. am Institut für Geschichte der Universität Wien und leitet dort die „Sammlung Frauennachlässe“ und die Redaktion der von einem internationalen Gremium herausgegebenen Zeitschrift L´Homme. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft. Mit Berlin, wo sie zuletzt von 2009 bis 2012 mehrfach Gastwissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Forschungsbereich Geschichte der Gefühle war, verbindet sie viel: Freundschaft, Innovation, Engagement, Offenheit


Warum E2H, Christa Hämmerle?

„Berlin ist ein von Wissenschaftler_innen aus der ganzen Welt aufgesuchtes Zentrum der Frauen-, Geschlechter-, Homo/Sexualitäten-, Transgenderforschung. Einrichtungen dazu in einem ‚queeren Leuchtturm’ mitten in der Stadt, das heißt mitten in der Gesellschaft zusammenzuführen, scheint geradezu genial, jedenfalls richtungsweisend: Das Elberskirchen-Hirschfeld-Haus könnte und sollte ein heute dringender denn je notwendiges Bekenntnis der Stadt für Toleranz und Vielfalt, die Anerkennung verschiedenster emanzipativer Haltungen und Lebensmodelle sein.“

• Dan Healey | „Champion of emancipatory LGBTQI* research“

Dan Healey arbeitet als Professor für Modern Russian History an der Universität Oxford. Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen zur
LGBTQ*-Geschichte in Russland und der früheren Sowjetunion darunter u.a. Homosexual Desire in Revolutionary Russia: The Regulation of Sexual and Gender Dissent (Chicago, 2001). Demnächst erscheint bei Bloomsbury Academic sein Buch über Russian Homophobia from Stalin to Sochi.


Why E2H, Dan Healey?

„The Elberskirchen Hirschfeld Haus is such an important project, for Germany, Europe, and the world: it rights a terrible injustice, by restoring Magnus Hirschfeld’s Institut für Sexualwissenschaft after its destruction by the Nazi regime in 1933. But even more than this, it will be a site to foster and build queer consciousness inclusively, for future generations. Nothing could be more significant to LGBTQ people at this turbulent moment in our history.“

• Rainer Herrn | „Zufluchtsstätte zur Überwindung von Vorurteilen“

Dr. Rainer Herrn ist Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin der Charité (Berlin) sowie der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft. Aktivist in der DDR-Homosexuellen- und Aids-Selbsthilfebewegung. Zahlreiche Aufsatz- und Buchveröffentlichungen, Ausstellungen, Lehrveranstaltungen und Vorträge zur Sexual- und Geschlechterwissenschaft, sowie zu sexuellen Minderheiten aus wissenschafts-, kultur- und sozialhistorischer Sicht, sowie zur Medizin- insbesondere Psychiatriegeschichte. Aktuelle Arbeiten zur Geschichte der Psychiatrie in der urbanen Moderne sowie zu Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft (1919-1933).


Warum E2H, Rainer Herrn?

„Obwohl wir heute von einer LGBTI Community sprechen, prägen Stereotypen, Verwerfungen und Stigmatisierungen nach wie vor die gegenseitigen Wahrnehmungen von Homo-, Bi-, Trans- und Intersexuellen. Der Umgang untereinander ist von jener Konkurrenz geprägt, die bereits Magnus Hirschfeld vor 100 Jahren in seinem Institut für Sexualwissenschaft abzubauen sich mühte. Sexuelle und geschlechtliche Minderheiten wieder unter einem Dach zusammenzubringen greift seine immer noch großartige Idee einer gemeinsamen Zufluchtsstätte zur Überwindung von Vorurteilen auf.“

• Dagmar Herzog | „Unendlich wichtige Ressource für unser aller Zukunft“

Historikerin mit Schwerpunkt Holocauststudien, Religions- und Sexualitätsgeschichte; seit 2005 am Graduate Center der City University of New York. Sie arbeitet derzeit an einem neuen Projekt über die Geschichte der Rechte von Menschen mit Behinderung. Zahlreiche Veröffentlichungen zur modernen deutschen und europäischen Geschichte sowie zur Politik der evangelikalen Rechten in den USA, u.a.: Paradoxien der sexuellen Liberalisierung (2013); Sexuality in Europe: A Twentieth-Century History (2011); Sex in Crisis: The New Sexual Revolution and the Future of American Politics (2008); und Die Politisierung der Lust: Sexualität in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts (2005). Demnaechst erscheint bei Cambridge ihre transatlantische Geschichte der Psychoanalyse in der Nachkriegszeit, mit besonderem Fokus auf die Themen von Lust, Liebe, Trauma, Aggression unter dem Titel Cold War Freud: Psychoanalysis in an Age of Catastrophes (2017).


Warum E2H, Dagmar Herzog?

„Wir leben in einer Ära der ‚Geopolitisierung‘ der Sexualität. Es gibt kaum ein Phänomen – vom Asylrecht hin zu ethnischen Säuberungen und Terroranschlägen – welches nicht ein sexuelles Element in sich bergen würde. Zugleich sind Rechte für sexuelle Minderheiten und Geschlechtsnonkonformität weltweit mitnichten gesichert. Kaum ein anderes Thema bewegt die Menschen so, und wird trotzdem so inadäquat verstanden. Dringend brauchen wir kritische Gegenwartsforschung und fundiertes historisches Wissen. Das Elberskirchen Hirschfeld Haus ehrt diese couragierten Vorkämpfer und wird zugleich eine unendlich wichtige Ressource für unser aller Zukunft.“


• Tomek Kitlinski & Pawel Leszkowicz | „At the forefront of world LGBTQ research“

Tomek Kitlinski and Pawel Leszkowicz are partners in life and in artistic, academic, and activist projects (Shira Tarrant). They have participated in Polandís first lesbian and gay visibility campaign „Let Them See Us“ (SOLLEN SIE UNS DOCH SEHEN) and have written together the book Love and Democracy: Reflections on the Queer Question in Poland. Pawel Leszkowicz is an art and cultural historian, lecturer, and curator who has authored an international queer exhibition Ars Homo Erotica at Warsaw’s National Museum. Currently, Pawel is a Senior Fulbright Scholar at ONE National Gay & Lesbian Archives, USC. Leszkowicz has curated exhibitions Love and Democracy (2005 and 2006), Vogue (2009), Ars Homo Erotica (2010), Love is Love: Art as LGBTQ Activism from Britain to Belarus (2011).

Tomek Kitlinski is an author, activist, performance artist, and academic who has conducted research under Hélène Cixous, Julia Kristeva, and Poland’s pioneering scholar of Jewish, gender, and queer studies Maria Janion. Tomek has initiated pro-refugee, antifascist, feminist, and LGBTQ petitions and actions. He was a Fulbright scholar at the Transregional Center for Democratic Studies, New School for Social Research in New York and a Marie Curie fellow at the University of Brighton. Tomek serves on the faculty and in a labor union at Maria Curie-Sklodowska University in Lublin; he led the 2009 protest against layoffs of auxiliary personnel. Alongside other activists for Jewish life in Lublin, he was targeted by a neo-Nazi hate campaign, reported by Amnesty International.


Why E2H, Tomek Kitlinski & Pawel Leszkowicz?

„The Elberskirchen-Hirschfeld-Haus promises to be at the forefront of world LGBTQ research, learning and culture. We support this project whole-heartedly as it is crucial at a time of the new rise of homophobia, anti-Semitism and other prejudices. The memory of the thinkers and activists Johanna Elberskirchen and Magnus Hirschfeld is of prime importance because they represent the sexual and cultural forces of progress, badly need now.“

• Rainer Nicolaysen | „Weithin sichtbares Zeichen sexueller Vielfalt“

Prof. Dr. Rainer Nicolaysen, Jahrgang 1961, Historiker, Promotion 1996, Habilitation 2002, anschließend Lehrtätigkeiten an den Universitäten Hamburg und Lüneburg, Gastprofessuren in den USA am Smith College, Northampton/Mass. und am Middlebury College, Middlebury/Vermont, seit 2010 Professor für Neuere Geschichte und Leiter der Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte an der Universität Hamburg, Vorsitzender des Vereins für Hamburgische Geschichte, Mitglied im Fachbeirat der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, Mitherausgeber des Jahrbuch Sexualitäten 2016 der Initiative Queer Nations.


Warum E2H, Rainer Nicolaysen?

„Nicht in einer Nische, sondern im Zentrum Berlins wird das Elberskirchen-Hirschfeld-Haus ein weithin sichtbares Zeichen sexueller und geschlechtlicher Vielfalt setzen und dazu beitragen, ‚queere Themen‘ in Wissenschaft und öffentlichen Debatten kategorial zu verankern. Das ist ebenso inspirierend wie überfällig!“

• Kirsten Plötz | „Eine erhebliche Erleichterung der Forschung“

Dr. Kirsten Plötz, Historikerin, Jahrgang 1964, Forschungen bspw. über lesbisches Leben in der Weimarer Republik, ‚alleinstehende‘ Frauen 1949-1969, das lesbische Alter in der Gegenwart und Diskriminierungen gegenüber lesbischen Frauen in Rheinland-Pfalz 1946-1973. Näheres unter www.die-andere-biografie.de


Warum E2H, Kirsten Plötz?

„Die Quellensuche in meinem eigenen Forschungsfeld, der lesbischen Geschichte, ist meistens ausgesprochen aufwändig und mühsam. Weit verstreut finden sich in der Regel einzelne Materialien. Ein Netzwerk dieser bedeutenden Archive unter einem Dach würde die Forschung also erheblich erleichtern – besonders für uns Nichtberliner*innen.“

• Livia Prüll | „Förderung freiheitlichen Lebens“

Livia Prüll, Jahrgang 1961, Studium der Humanmedizin sowie Geschichte und Philosophie an der Univ. Gieflen, 1980-1990. Mitarbeiterin bei der Fa.Schering/Berlin als Ärztin 1990/1991; Wiss.Mitarbeiterin am Institut für Geschichte der Medizin der RWTH Aachen 1991/1992; Wiss. Mitarbeiterin am Institut für Geschichte der Medizin der Univ. Freiburg 1992-2000 und 2003-2008; Senior Research Associate an der Univ. Durham, England, 2000-2003; Wiss. Mitarbeiterin am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Univ. Heidelberg 2008-2011; seit 2011 Professorin für GTE am gleichnamigen Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universität Mainz. In dieser Eigenschaft offizielle Geschlechtsangleichung (Mann zu Frau) am 1.3.2014. Wissenschaftliche Forschungsgebiete: Entwicklung der naturwissenschaftlichen Medizin im 19. und 20. Jahrhundert; Geschichte der medizinischen Leichenöffnung; Medizin und Krieg 1914 bis 1945; Medizin und Öffentlichkeit nach 1945; Geschichte der Trans*identität.


Warum E2H, Livia Prüll?

Das Elberskirchen-Hirschfeld-Haus ist eine wichtige Gründung. Gefördert wird damit etwas, das noch in den Anfängen steckt: Die Beforschung und Darstellung aller Lebensformen, die Queer sind: Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*sexuelle und Inter*sexuelle. Gefördert wird auf diese Weise die Akzeptanz von Menschen mit unterschiedlichster Geschlechtsausrichtung und -identität. Gefördert wird damit auch ein freiheitliches Leben im Rahmen einer Vielfalt der Lebensformen. Und gefördert wird so auch die Demokratie in unserem Land. Das Elberskirchen Hirschfeld Haus setzt damit ein Zeichen in einer schwierigen Zeit.


• Ilka Quindeau | „Sigmund Freud, erster Vertreter der Queer Studies“

Ilka Quindeau arbeitet als Psychoanalytikerin und Lehranalytikerin (DPV/IPV) in eigener Praxis und als Professorin für Klinische Psychologie an der Frankfurt University of Applied Sciences. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Geschlechter-, Biographie- und Traumaforschung.


Warum E2H, Ilka Quindeau?

„Ich unterstütze das Elberskirchen Hirschfeld Haus, weil ich in Sigmund Freud den ersten Vertreter der Queer Studies sehe.“

• Susanne Regener | „Queerer Wandel verdient vorausschauende Dokumentation“

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Prof. Dr. Susanne Regener ist Kultur- und Medienwissenschaftlerin und lebt in Berlin. Sie arbeitet als Professorin für Mediengeschichte und Visuelle Kultur an der Universität Siegen und ist seit 2012 auch Affiliate Professor for Cultural and Media Studies an der Universität Kopenhagen. Sie forscht zur Kulturgeschichte von Außenseiter*innen: psychisch Kranke, Kriminelle, Gefangene, Inuit, Roma/Gypsies und Alte und untersucht mediale Strategien und queere Interventionen in der homosexuellen Kultur.


Warum E2H, Susanne Regener?

„Wissen der queeren Kultur: Die kulturhistorische Forschung braucht die Institutionen der Bewegungen. Queere Kultur ist ein Lernprozess mit offenem Ausgang – der Geschichte macht und Zukunft haben soll. Queerer Wandel verdient vorausschauende Dokumentation und Archive, die Fragen beantworten helfen, sowohl für die Gegenwart als auch fuür die nächsten Jahrhunderte. Sammlungen zur queeren Kultur unter einem Dach sollen Konstellationen und Verbindungen erlauben, die das Leben noch nicht bereit hält.“

• Werner Renz | „Ein freies Leben aller erringen“

Werner Renz, Jahrgang 1950, M.A., Studium der Germanistik, Linguistik und Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Von 1995 bis 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fritz Bauer Institut (Frankfurt am Main), Leiter des Archivs und der Bibliothek des Instituts. Zur Zeit als freier Mitarbeiter des Instituts Forschungsprojekt zu zwei NS-Prozessen gegen Mitarbeiter Adolf Eichmanns, die an der Deportation der Juden aus Ungarn beteiligt waren
Veröffentlichungen u.a. zur Geschichte des Lagers Auschwitz-Birkenau, zu den Frankfurter Auschwitz-Prozessen und zu Fritz Bauer (1903–1968).


Warum E2H, Werner Renz?

„Das Projekt Elberskirchen Hirschfeld Haus ist wichtig, weil allein durch wissenschaftliche Forschung, undoktrinäre Bildung und libertäre Kultur ein freies Leben aller errungen werden kann.“

• Jens Rydström | „A uncontested champion of emancipatory LGBTQI* research“

Jens Rydström is professor in Gender Studies at Lund University. He is author of Loneliness and its Opposite: Sex, Disability, and the Ethics of Engagement (with Don Kulick, Duke University Press, 2015), Odd Couples: A History of Gay Marriage in Scandinavia (University of Amsterdam Press, 2011), and Sinners and Citizens: Bestiality and Homosexuality in Sweden, 1880-1950 (University of Chicago Press, 2003).


Why E2H, Jens Rydström?

„Berlin needs to be restored to its former rank as uncontested champion of emancipatory LGBTQI* research and activism in Europe, a place where queer people from all over Europe came to study and organise. The Elberskirchen Hirschfeld Haus project promises to do just that.“

• Axel Schildt | „Die Dimension des Sexuellen als Movens für menschliches Handeln“

Axel Schildt, Jahrgang 1951; Studium der Geschichtswissenschaft, Politikwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Hamburg und Marburg; Erstes Staatsexamen (1970-1977); Dissertation über das Verhältnis von Militär und Politik am Ende der Weimarer Republik (1980); Referendariat und Zweites Staatsexamen (1980-1982); Forschungsprojekte und Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen; Habilitationsschrift über die Gesellschaft der Bundesrepublik in den 1950er Jahren (1991); Stellvertretender Direktor der Forschungsstelle für Zeitgeschichte und apl. Prof. an der Universität Hamburg (1997-2002); Direktor der Forschungsstelle für Zeitgeschichte und Prof. für Neuere Geschichte an der Universitüt Hamburg (seit 2002); Mitglied im Vorstand des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (2004-2008); Mitglied der Hamburgischen Akademie der Wissenschaften (seit 2005); Mitglied des Fachkollegiums Geschichtswissenschaft der Deutschen Forschungsgemeinschaft (2009-2016).


Warum E2H, Axel Schildt?

„Dass Sexualitäten ein zentrales Thema der Humanwissenschaften, Geisteswissenschaften, Kultur- und Sozialwissenschaften sein sollten, es aber immer noch nicht sind, ist ein Zustand, der dringend geändert werden muss. Als Historiker finde ich es wichtig, dass die Dimension des Sexuellen als Movens für menschliches Handeln und als prägender Faktor politischer Kultur nicht ignoriert wird. Als demokratisch gesinnter Mensch weiß ich aber auch, dass die historiographische Forschung in diesem Feld abhängig ist von guten politischen und kulturellen Rahmenbedingungen. Die Zusammenfassung verschiedener vorhandener Einrichtung in einem Elberskirchen Hirschfeld Haus würde die Rahmenbedingungen für Forschung und Diskussion der Bedeutung des Sexuellen erheblich verbessern. Deshalb unterstütze ich das Engagement der Initiative Queer Nations für ein solches Zentrum.“


• Michael Schwartz | „Möglichst viele positive Wechselwirkungen anregen“

Michael Schwartz, Jahrgang 1963; ab 1994 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin (Abteilung Berlin), zudem Apl. Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, 2010-2015 Mitglied des Wissenschaftlichen Beraterkreises der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Berlin, seit 2012 Mitglied (und seit 2013: Vorsitzender) des Fachbeirats der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, Berlin.


Warum E2H, Michael Schwartz?

„Ich unterstütze dieses Projekt, weil es zum einen darum geht, eine bauliche und institutionelle Wiedergutmachung für das 1933 vom NS-Regime zerstörte Institut für Sexualwissenschaft Magnus Hirschfelds zu erreichen und weil es zum anderen wichtig ist, unter einem Dach ganz unterschiedliche Organisationen und Projekte unserer bunten LSBTTIQ-Community zu versammeln und möglichst viele positive Wechselwirkungen anzuregen.“

• Detlef Siegfried | „Fokus für Forschung, Diskussion und politische Intervention“

Detlef Siegfried, Jahrgang 1958, Studium der Geschichte, Soziologie und Germanistik. Promotion 1991 in Kiel, Habilitation 2006 in Hamburg. Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Körber-Stiftung und der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg. Seit 1996 an der Universität Kopenhagen, zunächst als Associate Professor, seit 2011 als Full Professor für Neuere Deutsche und Europäische Geschichte.


Warum E2H, Detlef Siegfried?

„Ich unterstütze die Errichtung des Elberskirchen Hirschfeld Hauses, weil dadurch die Sexualitätsgeschichte einen Fokus für Forschung, Diskussion und politische Intervention bekommen würde – und zwar in der Stadt, die für die Sexualwissenschaft und -politik des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts so bedeutsam war.“

• Lucie G. Veith | „Die Vielfalt der Geschlechter und Identitäten braucht Sichtbarkeit“

Lucie G.Veith, Jahrgang 1956, freischaffende Künstlerin und Dozentin für Gestaltung. Expert*in für die Belange intersexueller Menschen, 1. Vorsitzende des Vereins Intersexuelle Menschen e.V., Bildungsbeauftragte,
UN-Parallelberichtserstatter*in, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Überlebende eines medizinichen Humanversuchs, Inter*-Aktivist*in, Menschenrechtler*in, war als Beraterin u.a. für den Deutschen Bundestag, Deutschen Ethikrat und das Deutsche Institut für Menschenrechte tätig.


Warum E2H, Lucie G. Veith?

„Die Vielfalt der Körper, Geschlechter, Begehren und Identitäten braucht Sichtbarkeit und das Wissen darüber sichere Plätze im öffentlichen Raum – deshalb unterstütze ich das Projekt Elberskirchen Hirschfeld Haus.“

• Harald Welzer | „Eine andere Geschichte erzählen“

Prof. Dr. Harald Welzer, Jahrgang 1958, ist Soziologe und Sozialpsychologe. Mitbegründer und Direktor von „Futur Zwei. Stiftung Zukunftsfähigkeit“, Professor für Transformationsdesign und –vermittlung an der Universität Flensburg, ständiger Gastprofessor für Sozialpsychologie an der Universität Sankt Gallen, Mitglied im Rat für nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung sowie im Zukunftsrat des Landes Schleswig-Holstein.


Why E2H, Harald Welzer?

„Es gilt immer noch, eine andere Geschichte zu erzählen über das, was Menschen in Gesellschaften machen und was diese zusammenhält. Queer Nations bietet dafür einen ausgezeichneten Rahmen!“

• Evan Wolfson | „From history we can take inspiration and instruction“

Evan Wolfson was founder and president of Freedom to Marry, the campaign that won marriage in the United States, and is widely considered the architect of the movement that led to nationwide victory in 2015. In 1983, Wolfson wrote his Harvard Law School thesis on gay people and the freedom to marry. During the 1990’s he served as co-counsel in the historic Hawaii marriage case that launched the ongoing global movement for the freedom to marry, and has participated in numerous gay rights and HIV/AIDS cases. Wolfson earned a B.A. in history from Yale College in 1978 and wrote the book Why Marriage Matters: America, Equality, and Gay People’s Right to Marry (2004). Citing his national leadership on marriage and his appearance before the U.S. Supreme Court in Boy Scouts of America vs. James Dale, the National Law Journal in 2000 named Wolfson one of „the 100 most influential lawyers in America.“ Newsweek/The Daily Beast dubbed Wolfson „the godfather of gay marriage“. In 2012, Wolfson received the Barnard Medal of Distinction alongside President Barack Obama.


Why E2H, Evan Wolfson?

„For LGBT people, as for all humanity, it is imperative that we remember, understand, and tell our history – perhaps nowhere more so than in Berlin. From history we can take inspiration and instruction, and in sharing history, we can build on the triumphs and, if lucky, avoid the tragedies that befell the generations of living human beings who were once as we are now. That’s why initiatives such as the proposed Elberskirchen Hirschfeld Haus are so important as we continue to fight for better laws and better lives for LGBT and non-LGBT people in Europe and around the world.“