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Anschlag auf CSD Berlin 2026: Islamismus bedroht unsere Freiheit!

Ein tödlicher Anschlag am Rande des Berliner CSD erschüttert die queere Community – und legt eine Debatte offen, die zu lange verdrängt wurde: Islamismus bedroht nicht nur jüdisches Leben, freiheitlich orientierte Muslime und demokratische Institutionen, sondern auch die Freiheit und Sicherheit von LGBTIQ. Wer diese Gefahr aus Angst vor falschen Vorwürfen verschweigt, lässt die Betroffenen im Stich.

Trauerkerze vor schwarzem Hintergrund, Symbolbild für Artikel "Anschlag auf CSD Berlin 2026: Islamismus bedroht unsere Freiheit!"
Zum Gedenken an die Opfer des islamistischen Terroranschlags am Rande der Abschlusskundgebung des CSD Berlin 2026 (Foto von NOOR HOSSAIN auf Unsplash).

Von Till Randolf Amelung und Jan Feddersen

Zur Klarstellung: Diesen Text widmen wir den Opfern des gestrigen Terroranschlags und allen muslimischen MitbürgerInnen, die nichts mit Islamismus am Hut haben und ebenfalls unter den Extremisten leiden.

Am späten Samstagabend, gegen 22 Uhr, zerstörte ein mutmaßlich islamistischer Attentäter mit seiner Amokfahrt am Rande der Abschlusskundgebung des CSD Berlin nicht nur das Leben einer Frau und die Gesundheit von mindestens sechzehn weiteren Menschen, sondern auch Gewissheiten der queeren Community. „Der Feind steht rechts“, heißt es dann immer und gemeint sind Rechtsextreme sowie die AfD. Islamismus wird hingegen gern übersehen – wer diesen doch als reale Gefahr benennt, bekommt schnell einen Rassismusvorwurf um die Ohren gehauen. Übrigens nicht nur weiße Biodeutsche, sondern auch ExpertInnen wie Seyran Ateş, Güner Balcı, Ahmad Mansour, die selbst Muslime sind und sehr genau wissen, wovon sie sprechen.

Islamismus als tödliche Ideologie

Dabei waren gerade islamistische Anschläge auf Prideveranstaltungen weltweit diejenigen, die mit tödlicher Konsequenz ausgeführt wurden. Man denke nur an den Anschlag 2016 im queeren Club „Pulse“ in Orlando oder an Oslo, wo 2022 während der Pride ein Islamist zwei Bars angriff und zwei Männer tötete. Und jetzt eben 2026 in Berlin. Ohnehin standen Prideveranstaltungen immer wieder im Fadenkreuz islamistischer Terroristen, jedoch wurden die Täter zum Glück vorher von den Ermittlungsbehörden gefasst: 2020 plante in London ein 29-jähriger Islamist einen Anschlag mit Stich- und Schusswaffen auf die London Pride. 2023 wollten in Österreich drei junge Männer mit Angriff auf den Pride in Wien verüben. 2024 bedrohten zwei islamistische Jugendliche den Zürich Pride.

Schon nach dem Anschlag in Orlando kritisierte der Publizist Tjark Kunstreich die Ignoranz in der queeren Szene gegenüber den Gefahren, die von islamistischer Ideologie ausgehen:

„In den Tagen nach Orlando wurden diverse ideologische Abwehrmechanismen deutlich, mit denen das Offensichtliche geleugnet werden sollte: Dass es sich nämlich um ein Verbrechen aus Hass auf eine Gesellschaft handelt, die es ihren Bürgerinnen und Bürgern erlaubt, ein eigenes Leben zu führen. Diese Abwehrmechanismen heißen: Leugnung der ideologischen Motivation; Bagatellisierung der Differenz zwischen einer religiösen oder ideologischen Überzeugung; sowie Glorifizierung von Identität als unveräußerlichem individuellem Anspruch auf ein Zwangskollektiv, sei es nun muslimisch oder gay.“

Islamistische Homophobie als Problem

Auch in Berlin tut man sich schwer, offen und vor allem konstruktiv über die Gefahren für LGBTIQ zu sprechen, die von islamistisch ideologisierten Männern ausgeht. Als Kevin Kühnert, ehemaliger Bundestagsabgeordneter, SPD-Generalsekretär und schwul, 2024 in einem Spiegel-Gespräch offenbarte, dass es im öffentlichen Raum „aus muslimisch gelesenen Männergruppen häufiger zu einem homophoben Spruch“ komme und von diesen Gruppen eine Beeinträchtigung seines Sicherheitsgefühls ausgeht, wurde er von Parteikollege Alfonso Pantisano abgewatscht. Pantisano, der auch „Ansprechperson der Landesregierung Berlin für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt“ ist, warf Kühnert „antimuslimischen Rassismus“ vor. Wer eine solche Ansprechperson hat, braucht keine Feinde mehr.

Doch jenseits dessen, was im Berliner Politik- und Aktivismusbetrieb öffentlich sagbar ist, wissen Schwule, Lesben, Trans und alle weiteren nicht-heteronormativ wirkenden Personen sehr gut, wo und gegenüber wem besondere Vorsicht geboten ist. Kann über solche Probleme in den bewährten politischen Kreisen jedoch nicht angemessen gesprochen werden, wandern die Betreffenden über kurz oder lang woanders hin. 2025 zeigte eine nicht-repräsentative Umfrage des schwulen Dating-Portals „Romeo“ unter seinen Nutzern im Vorfeld der Bundestagswahlen, dass gerade unter den 18- bis 24-jährigen Teilnehmern die Mehrheit mit 34,7 Prozent die AfD favorisierte. Als diese Befragungsergebnisse bekannt wurden, war der Schrecken groß und das Unverständnis ebenso. Auch hier fiel der Ansprechperson Pantisano nur ein, auf Instagram „Kein Sex mit Nazis“ zu posten und Probleme auf „internalisierte Rassismen“ zu schieben.

Islamismus als Gefahr für Freiheit und Sicherheit für LGBTIQ – kommt in den Weltbildern der Pantisanos dieser Szene offenbar nicht vor. Beim Verfassungsschutz ist man darüber aber sehr wohl im Bilde:

„Das Feindbild repräsentiert für Islamisten vor allem die von ihnen abgelehnte beziehungsweise aus ihrer Sicht zu bekämpfende liberale und pluralistische demokratische Gesellschaft westlicher Prägung, die nach ihrer Lesart die im traditionellen Islam verwurzelten Lebensformen zerstört.“

Verfassungsschutz warnt vor Queerfeindlichkeit

In diesem Sinne sind beispielsweise auch die Betätigungen islamistischer Influencer angestiegen. Der Berliner Verfassungsschutz warnte schon 2025, dass queerfeindliche Propaganda vermehrt zu Gewalt führe und Rechtsextremisten sowie Salafisten geradezu Hass auf queere Menschen schürten. Wer jetzt also reflexartig ruft, es sei doch komisch, dass solche Anschläge immer vor wichtigen Wahlen passieren würden und Putin dahinter vermutet, sollte lieber nochmal die bisher vorliegenden Erkenntnisse zu Islamismus studieren. Vielmehr fürchten tatsächliche ExtremismusexpertInnen, dass dies erst der Anfang einer neuen Angriffswelle sein könnte.

Diese Radikalisierung steht auch im Kontext des Gazakriegs, der als Folge des eliminatorischen Hamas-Terrorangriffs gegen Israel begonnen hat. Auch für jüdische Menschen und ihre Einrichtungen hat sich die Sicherheitslage dadurch verschlechtert. Antisemitismus hat in einem erschütternden Ausmaß zugenommen. Im Übrigen auch in bestimmten Teilen der queeren Szene Berlins, wie ein Dossier kürzlich belegte.

Dossier zu Antisemitismus unerwünscht

Besagtes Dossier zum Antisemitismus in der queeren Szene Berlins nimmt besonders die Kreise in den Fokus, die sich als queerfeministisch, intersektional, antirassistisch und antikolonial verstehen. In Wahrheit besteht deren Weltbild aus einem miefigen sowjet-imperialistischen Gemischtwarenladen, der mehr schlecht, als recht aufgefrischt wurde und was der Journalist Nicholas Potter als „linksautoritär“ bezeichnet. Bezeichnenderweise fehlen aus diesem Milieu bislang weitgehend Beileidsbekundungen für die Berliner Anschlagsopfer. Das Statement des Community Dyke* March kommt nicht ohne reflexartige Sorge um Instrumentalisierung durch rechte und konservative Kräfte aus.

Obwohl im Auftrag der Senatsverwaltung für Antidiskriminierung erstellt, wurde das Dossier von dieser erst nach mehreren Monaten und auf mehrmaliges Nachfragen des Abgeordneten Klaus Lederers veröffentlicht. Wie der Tagesspiegel berichtete, sollen die Ergebnisse den Auftraggebern nicht genehm gewesen sein.

Wahrscheinlich stören die Ergebnisse die Offiziellen beim Spagat, es möglichst vielen politischen und gesellschaftlichen Gruppen recht zu machen. Zumal im September in Berlin die Wahlen für das Abgeordnetenhaus stattfinden. Für links ausgerichtete Parteien ist mittlerweile kein Vorbeikommen mehr an der Tatsache, dass Israelhass in Form von „Palästinasolidarität“ weit in sich als progressiv verstehende Milieus vorgedrungen ist. Das hässliche Pali-Tuch ist das neue Trendaccessoire im Club, zusammen mit dem Slogan „Free Palestine“, womit man in Wahrheit einen „judenreinen“ Nahen Osten meint.

Kaum verwunderlich ist, dass es bei zwei besonders wichtigen Ereignissen für diese spezifische Szene, dem Community Dyke* March und dem Internationalist Queer Pride, um alles Mögliche und Israelhass im Besonderen geht, aber keine tatsächlichen Gefahren für queere Menschen überhaupt benannt werden. Gerade aus dieser Szene wird das Benennen von Islamismus als Gefahr für Freiheit und Sicherheit queerer Menschen als „rassistisch“ diffamiert. Umso mehr sollten Verantwortliche des etablierten Politikbetriebes prüfen, wessen ideologischen Murks sie da eigentlich übernehmen. Sie könnten vielleicht doch noch einmal in das verschmähte Dossier zum Antisemitismus schauen.

Taten statt leerer Betroffenheitsprosa

Nun ist, wie nach jedem islamistischen Anschlag, zunächst einmal die Zeit für Beileidsbekundungen und zu Aufrufen, sich nicht spalten zu lassen. Beispielhaft findet sich das auf Facebook bei Werner Graf, dem schwulen Kandidaten der Grünen für das Oberbürgermeisteramt Berlin:

„Es wird nun viel aufzuklären und viel aufzuarbeiten sein. Mit der lückenlosen Aufklärung müssen wir jetzt beginnen, statt in vorschnelle Forderungen zu verfallen. Ich wünsche mir, dass wir jetzt, in dieser Stunde der Verletztheit und Unsicherheit, als Vertreter*innen der demokratischen Parteien vor allem für Zusammenhalt und die Verteidigung der Freiheit gegen ihre Feinde einstehen. Gemeinsam müssen wir sie bekämpfen, dürfen uns nicht spalten lassen und zusammen die Vielfalt und Offenheit Berlins verteidigen.“

Auch andere politische Prominenz wie der Vizepräsident des deutschen Bundestags, Bodo Ramelow (Die Linke) beklagt den Anschlag, benennt aber Islamismus als Ursache nicht.

Ja, lückenlose Aufklärung wünschen wir uns alle. Ebenso ist es aber wichtig, Ursachen klar beim Namen zu nennen. Wie es auch 2024 Oliver L. formulierte, der 2020 seinen Ehemann Thomas in Dresden bei einem islamistisch motivierten Angriff verlor. In Dresden sollte ein Mahnmal für die Opfer von homophober und transphober Gewalt an diese Tat erinnern, aber L. forderte in einem Interview, dass es ein Mahnmal gegen die Opfer von Islamismus sein müsse.

In diesem Sinne ist zu hoffen, dass in Deutschland endlich alle wesentlichen politischen VertreterInnen begreifen, welche Gefahr vom Islamismus auch für queeres Leben ausgeht, und wirkungsvolle Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Die übliche Betroffenheitsprosa von PolitikerInnen kann jedenfalls niemand mehr ertragen.

Till Randolf Amelung ist Redakteur des IQN-Blog und seit Juli 2024 auch Mitglied des IQN-Vorstand. Als freier Journalist veröffentlicht er mit Schwerpunkt auf geschlechterpolitischen Themen sowie in anderen Medien und in wissenschaftlichen Sammelbänden wie dem Jahrbuch Sexualitäten der IQN. Seit der Jahrbuch-Ausgabe für 2026 gehört er auch zu den Herausgebern.

Jan Feddersen, Jahrgang 1957, 2005 Gründungsmitglied der IQN e.V., Redakteur der taz in Berlin, außerdem Co-Host beim Podcast „Based“. Mitherausgeber des „Jahrbuch Sexualitäten“.