Ein großes Werk und eine wenig bekannte Episode: Zu Michel Foucaults 100. Geburtstag richten wir den Blick auf seinen Aufenthalt 1959/60 in Hamburg. Der Historiker Rainer Nicolaysen hat diese Zeit erforscht – seine Spurensuche gibt es hier auf Deutsch und Englisch zum kostenfreien Download.

Von Redaktion
Heute, am 15. Oktober, wäre Michel Foucault 100 Jahre alt geworden. Mit seinen Arbeiten zur Diskurstheorie, zu Macht und Wissen, zu Überwachung und Normalität wurde er zu einem der einflussreichsten Philosophen des 20. Jahrhunderts und prägte maßgeblich auch queere Theoriemühen. 1984 starb er an den Folgen der Immunschwächekrankheit Aids.
Wenig Bekanntes zu Foucault
In jüngster Zeit erfuhr sein Werk neues Interesse, es gab Neuauflagen bestehender sowie Erstveröffentlichungen bisher nicht publizierter Texte. Doch bis heute bleibt eine interessante Episode in seinem Leben kaum beachtet, auch nicht in der überarbeiteten Ausgabe von Didier Eribons Foucault-Biographie: Sein Aufenthalt in Hamburg 1959/60.

Erstmals hat sich 2016 Rainer Nicolaysen, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Hamburg und Mitherausgeber unseres „Jahrbuch Sexualitäten“, mit Michel Foucaults einjährigem Aufenthalt in der Bundesrepublik befasst. Anhand von Quellen werden ausführlich und im Zusammenhang dargestellt: Foucaults Direktorenzeit am Institut Français, der Abschluss seines ersten großen Werkes „Wahnsinn und Gesellschaft“ und seine nächtlichen Streifzüge durch das schwule (queere) St. Pauli.
Nicolaysen veröffentlichte die Ergebnisse dieser Forschung unter dem Titel „Foucault in Hamburg. Anmerkungen zum einjährigen Aufenthalt 1959/60“ im 102. Band der Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte (ZHG). 2023 folgte dann eine englische Übersetzung in Ausgabe 40 der Zeitschrift „Theory, Culture & Society“.
Wir freuen uns sehr, dass wir mit freundlicher Genehmigung des Autors beide Fassungen seines Textes hier zum kostenfreien Download anbieten dürfen:
„Kulturzeit“ mit Foucault
Fernsehtipp: Rainer Nicolaysen wird in der heutigen Ausgabe des Magazins „Kulturzeit“ auf 3sat in einem Beitrag über Foucault zu sehen und zu hören sein. Hier kann man den Beitrag vorab sehen:
Dir gefällt dieser Beitrag? Halte uns den Rücken frei! Hinter unserer Arbeit steckt ehrenamtliches Engagement. Wir verzichten bewusst auf Paywalls, um unsere Arbeit für alle frei zugänglich zu machen – getreu dem Motto Magnus Hirschfelds „Durch Wissenschaft zur Gerechtigkeit“. Damit die Initiative Queer Nations e. V. auch weiterhin unabhängig des Mainstreams Debatten anstoßen kann, brauchen wir deine Unterstützung.
Jetzt spenden oder Mitglied werden