Das IOC zieht eine harte Linie im Frauensport. Eine neue Regel schließt Transfrauen von Wettbewerben aus – begründet mit Fairness und Schutz biologischer Athletinnen. Jan Federsen kommentiert die wegweisende Entscheidung für den Weltsport.

Kirsty Coventry, Präsidentin des IOC bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Italien
IOC-Präsidentin Kirsty Coventry bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Cortina (Foto: IOC/Quinton Meyer).

31. März 2026 | Jan Feddersen

Diese Entscheidung musste erwartet werden, denn US-Präsident Donald Trump hatte im Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles schon gleich nach seiner Machtübernahme erklärt, Transfrauen erhielten zum wichtigsten Sportereignis der Welt keinen Zugang in der Frauenkategorie. Nun ist es offiziell, die neue IOC-Chefin Kirsty Coventry erklärte dies am vergangenen Donnerstag: Die Bestimmungen, die das IOC mit dem Rahmenwerk zu Fairness, Inklusion und Nichtdiskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität und geschlechtsspezifischer Unterschiede bis dato gelten ließ, sind außer Kraft gesetzt.

Gentest als Nachweis nötig

Wer an Frauenwettbewerben teilnehmen möchte, muss sich zuvor einem Test unterziehen. Keine Genitalbeschau wird nötig sein. Wie bei den letztjährigen Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Tokio muss jede, die bei einem Frauenwettbewerb mitmachen möchte, lediglich eine Prüfung per innerem Wangenabstrich hinter sich bringen. Die Ergebnisse dieser Tests erweisen, ob ein bestimmtes Genpartikel in der DNA einer Person sich findet oder nicht. Dieses DNA-Teilchen erweist zwingend, dass es sich um eine biologisch männliche Person handelt. Jede Athletin muss diesen Test nur ein einziges Mal im Laufe ihrer Karriere hinter sich bringen.

Solche Tests gab es einst auch schon, aber sie wurden 1999 abgeschafft, weil sie zu teuer waren und Sportlerinnen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung dies als entwürdigenden Prozedur empfanden. Aber ein Wangenabstrich ist nicht eine Person herabwürdigend und insofern zumutbar. Und: Künftig soll der Test eingebettet sein in Maßnahmen wie psychologischer Betreuung, die Sportlerinnen mit auffälligem Ergebnis begleiten kann.

Biologisch relevante Unterschiede

Geprüft wird keine Identitätsfrage – also mit der Frage, welchem Geschlecht sich eine Person zugehörig fühlt -, sondern eine physiologische: Hat eine Person einen männlich codierten Körper oder nicht. Denn eine männliche Physis bringt im Frauensport, selbst wenn eine Person sich als weiblich versteht, erheblicher Vorteile.

Entzündet hatte ich die Brisanz der Frage an der algerischen Boxerin Imane Khelif, die in ihrer Gewichtsklasse alle Rivalinnen verdrosch und Gold gewann. Ihre Konkurrentinnen, die von den Schlägen der Algerien aus dem Rennen geworfen wurden, berichteten nach den Fights, sie hätten sich wie von einem Mann verhauen gefühlt. Khelif hat nun erklärt, einen solchen Wangentest durchführen zu lassen, um zum Olympischen Boxturnier in Los Angeles 2028 zugelassen zu werden. Das ist natürlich nur eine Ankündigung, denn in der Praxis hat sich die mit einem sehr seltenen Gendefekt versehene Athletin bislang jeder Weiblichkeitsprüfung per Test entzogen.

IOC schützt Frauensport

Die IOC-Entscheidung diene, so Kirsty Coventry, Chefin der Olympiaorganisation, dem Schutz des Frauensports. Und damit hat sie recht: Es hat eine Fülle von Athletinnen in der Vergangenheit gegeben, die nicht allein durch Training zur Höchstform kamen, sondern in ihrer biologischen Anlage begünstigt waren – männlich nämlich. Frauen verfügen im Gegensatz zu Männern biophysiologisch über weniger Muskelpotentiale und andere Marker, die etwa bis zu 20 Prozent Unterschied ausmachen, etwa auch beim Stoffwechsel.

Transaktivistische Verbände beklagen jetzt Diskriminierung und Transphobie insgesamt. Auch Caster Semenya, ehemalige Leichtathletin mit einer Variante der Geschlechtsentwicklung, entrüstet sich. Und sie haben recht: Das ist nach der Logik dieser Lobbyvereine und Athletinnen wie Semenya ausgrenzend, also diskriminierend. Aber Diskriminierung kann statthaft sein: Schwergewichte gehen auch nicht in der gleichen Klasse an den Start wie Federgewichte. Der Frauensport an sich war durch den globalen Trans- und Interaktivismus in Gefahr ausgelöscht zu werden, dies ist nun vom Tisch. Gut so!


Jan Feddersen ist Gründungsvorstand der Initiative Queer Nations und Redakteur für besondere Aufgaben bei der taz.


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