Ausgerechnet darüber, wo die Zustimmung am stärksten einbricht, schweigen viele Medien: bei transbezogenen Fragen. Die neuen Ipsos-Daten zeigen, wie deutlich die Akzeptanz sinkt – und wie selektiv darüber berichtet wird. Die transaktivistisch forcierte Entbiologisierung von Geschlecht bei gleichzeitiger Kostenübernahme durch Krankenversicherungen finden keine breite gesellschaftliche Zustimmung.

Von Till Randolf Amelung
Eine international durchgeführte Umfrage von Ipsos zum Pride Month zeigt, dass die Akzeptanz von LGBTIQ abnimmt – auch in Deutschland. Entsprechend berichteten deutsche Medien über die Ergebnisse. Doch während die Daten zu Themen wie Antidiskriminierungsgesetzgebung, Sichtbarkeit im öffentlichen Raum und der Ehe für alle ausgiebig zitiert wurden, fehlten die interessantesten in der Berichterstattung völlig.
Entbiologisierung von Geschlecht gescheitert
Denn der deutlichste Rückgang ist bei Themen ersichtlich, die Trans betreffen. Umso bemerkenswerter, dass kein Medium diese Daten aufgegriffen hat. Deshalb seien sie hier ausführlich zitiert:
„Die Trendwende macht vor trans* Menschen nicht halt. 72 Prozent der Deutschen sprechen sich grundsätzlich gegen die Benachteiligung von trans* Personen aus. Dieser Wert liegt 3 Prozentpunkte unter dem Ergebnis der Vorjahreserhebung. Bei konkreten Regelungen bröckelt der Rückhalt ebenfalls: Nur 48 Prozent (-4 pp) befürworten eine dritte Option in staatlichen Dokumenten wie Reisepässen neben ‚männlich‘ und ‚weiblich‘, 40 Prozent lehnen sie ab. Auch beim Zugang zu öffentlichen Toiletten und Umkleiden entsprechend dem identifizierten Geschlecht sinkt die Zustimmung.
Am deutlichsten sinkt die Unterstützung, wenn es um Geld und Sport geht: Nur 39 Prozent der Deutschen befürworten die Übernahme geschlechtsangleichender Behandlungen durch die Krankenversicherung – 10 Prozentpunkte weniger als im vergangenen Jahr. Fast die Hälfte der Bevölkerung (48 %) ist dagegen. Noch geringer ist die Zustimmung im Wettkampfsport: Dass trans* Athlet*innen im selbst definierten statt im bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht antreten dürfen, unterstützen nur 22 Prozent der Deutschen – 3 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr und 10 Prozentpunkte weniger als bei der ersten Erhebung 2021.“
Man könnte es auch so formulieren: Niemand möchte grundsätzlich, dass Transpersonen Schlechtes widerfährt, doch in sensiblen geschlechtergetrennten Räumen wie Toiletten und Umkleiden ist Differenzierung von Nöten. Erst recht, wenn es um sportliche Wettkämpfe geht. Biologisch männliche Personen – körperlich biologischen Frauen in jeder Hinsicht überlegen – im Frauensport antreten zu lassen, ist auch in Deutschland nicht mehrheitsfähig.

Entpathologisierung und Krankenkassen
Deutlich ist auch die Ablehnung, dass die gesetzlichen Krankenversicherungen Kosten für geschlechtsangleichende Maßnahmen übernehmen. In Deutschland ist dies möglich, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind, die vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen begutachtet werden. Doch Transaktivisti haben sich weltweit dafür eingesetzt, dass sie bitte nicht mehr mit etwas Negativem wie Krankheit in Verbindung gebracht werden – schon gar nicht mit psychischen Erkrankungen.
Die Neuerungen im ICD-11, dem Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind ein Ergebnis davon. Darin lautet der Diagnoseschlüsses „HA60 – Geschlechtsinkongruenz in der Jugend oder im Erwachsenenalter“ und befindet sich im eigens dafür neu geschaffenen Kapitel „Zustände mit Bezug zu sexueller Gesundheit“. Im vorherigen ICD-10 hieß der Diagnoseschlüssel „F.64 – Störungen der Geschlechtsidentität“ und der für eine Kostenübernahme relevante „F.64.0 – Transsexualismus“. Zugeordnet war dies dem Kapitel „Psychische und Persönlichkeitsstörungen“.
Jedoch wurde das als stigmatisierend betrachtet und daher geändert. Generell wird im Aktivismus auf „Entpathologisierung“ gepocht, also nicht mehr als krankhafte Abweichung, sondern als gesunde und normale Form menschlicher Vielfalt gesehen zu werden. Doch wenn der Bezug zu Krankheit nicht mehr sein soll, dann fragen sich eben BeitragszahlerInnen der Krankenversicherungen, warum sie medizinische Eingriffe mitbezahlen sollen. Vor allem, wenn durch die anstehenden Reformpläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) aufgrund des milliardenschweren Defizits in den Haushalten der Krankenkassen generell Leistungseinbußen drohen.
Aktivismus kommt an Grenzen
Ganz grundsätzlich hätte man sich auch fragen können, wer eigentlich außer den Beschäftigten im Gesundheitswesen von Klassifikationssystemen und Diagnoseschlüsseln Kenntnis besitzt und welche Relevanz das für die gesellschaftliche Anerkennung tatsächlich hat. Und: Sollten Diagnosen aus dem Bereich der psychischen Erkrankungen nicht generell entstigmatisiert sein?
Der Transaktivismus versucht die Quadratur des Kreises – und fährt damit gerade vollständig gegen die Wand. Nicht nur im Verhältnis zum Gesundheitssystem, sondern auch im Bestreben, Geschlecht vollständig zu entbiologisieren. Wie die jüngsten Ergebnisse jedoch zeigen, ist das nicht mehrheitsfähig. Nun gilt es, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Dies ist jedoch umso schwieriger, wenn die neuen Daten nicht einmal zur Kenntnis genommen werden. Hier wären auch die Medien gefordert, mit vollständiger Berichterstattung nötige Diskussionen anzuregen: Aber diese, sowohl die öffentlich-rechtlichen als auch die anderen Medien, scheinen vor den aktivistischen Transkräften zu kuschen.

über den autor
Till Randolf Amelung
Till Randolf Amelung ist Redakteur des IQN-Blog und seit Juli 2024 auch Mitglied des IQN-Vorstand. Als freier Journalist veröffentlicht er mit Schwerpunkt auf geschlechterpolitischen Themen sowie in anderen Medien und in wissenschaftlichen Sammelbänden wie dem Jahrbuch Sexualitäten der IQN. Seit der Jahrbuch-Ausgabe für 2026 gehört er auch zu den Herausgebern.