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Marzilibad Bern: Muss ein Penis im Frauenbereich geduldet werden?

Wenn Selbstdeklaration auf Intimsphäre trifft: Eine biologisch männliche Transperson wird nach Beschwerden aus dem Marzilibad Bern entfernt, weil sich mehrere Frauen im FKK-Bereich in ihrer Intimsphäre gestört fühlten. Nun tobt ein Streit darüber, wessen Belange hier höher zu gewichten sind – Die Validierung der Geschlechtsidentität oder der Schutz der Intimsphäre.

Ein Blick auf das frisch renovierte Außenbecken im Marzilibad in Bern mit klarem, türkisfarbenem Wasser, umgeben von einer breiten Betonfläche und Baugeräten. Im Hintergrund stehen historische Gebäude mit Kuppeldächern und reich verzierten Fassaden, eingerahmt von Bäumen unter einem wolkenlosen, blauen Himmel.
Ein Blick in das erst renovierte Marzilibad in der eidgenössischen Hauptstadt Bern 2026 (Foto: Hadi auf Wikimedia).

Von Till Randolf Amelung

Der Verweis einer biologisch männlichen Transpersonen aus einem FKK-Bereich für Frauen in einem Freibad in der schweizerischen Hauptstadt Bern lässt gerade medial die Wogen hochgehen. Auch die Stadt Bern sah sich zu einer öffentlichen Entschuldigung genötigt:

„Gestern Sonntag kam es in dem für Frauen reservierten Bereich «Paradiesli» im Freibad Marzili zu einem Zwischenfall mit einer trans Frau. Die Person wurde auf Anweisung des Betriebs von der Polizei aus dem Bad weggebracht. Der Entscheid erwies sich im Nachhinein als falsch.“

Penis im Paradiesli

Was war passiert? Im Berner Marzilibad kam es am vergangenen Sonntag zu einem Tumult um eine Transperson, die Zugang zum „Paradiesli“ genannten FKK-Frauenbereich beanspruchte. Jedoch fühlten sich mehrere Frauen gestört. In der Erklärung der Stadt Bern liest sich das so:

„Am Sonntagabend befand sich eine Frau im Marzili, die aufgrund einiger körperlicher Merkmale von anderen Badegästen nicht weiblich gelesen wurde.“

Gegenüber dem Schweizer Medium Blick erklärte eine anonym bleibende Frau, was genau dazu führte, dass diese Transperson nicht „weiblich gelesen“ wurde:

„Keine Brüste, am ganzen Körper stark behaart, Penis.“

Kein Medium – weder in der Schweiz noch in Deutschland – fragte danach, wie man mit einer ersichtlich männlichen Physis in einem Nur-Frauen-Bereich überhaupt auf die Idee kommen kann, man sei in diesem Männern eigentlich unzugänglichen Bereich der öffentlichen Einrichtung an der richtigen Stelle.

Für die Stadt Bern scheint das kein Thema zu sein:

„Alle Personen, die sich als Frau identifizieren und als solche leben, haben Zugang zum freiwilligen FKK-Bereich «Paradiesli». Eine interne Orientierungshilfe, die das Sportamt zusammen mit der Fachstelle für Gleichstellung in Geschlechterfragen erstellt hat, hilft dem Personal vor Ort zur Handhabung des Zutritts zu geschlechtergetrennten Bereichen, so auch fürs «Paradiesli». Diese besagt, dass im Härtefall das in einem Ausweis festgehaltene amtliche Geschlecht gilt. Die betroffene Person erfüllte die Zutrittsregelung.“

Selbstbestimmungsgesetz auch in der Schweiz

Die Zutrittsregelung erfolgte wohl über das Selbstbestimmungsgesetz, was es auch in der Schweiz gibt. Es heißt allerdings nicht so, vielmehr sind die entsprechenden Bestimmungen zur Änderung des amtlich registrierten Geschlechtseintrags Teil der Zivilstandsverordnung. Die 2022 verabschiedete Bestimmung ermöglicht es jeder Schweizerin und jedem Schweizer, das eingetragene Geschlecht und den Vornamen mittels Erklärung gegenüber dem Zivilstandsamt gegen eine Gebühr von 75 Schweizer Franken unbürokratisch ändern zu lassen. Rund 3.000 Schweizer BürgerInnen machten bislang von dieser Regelung Gebrauch.

Das Prinzip der selbstbestimmten Geschlechtsidentität, die amtlich registriert wird, fragt nicht nach annähernder äußerer Kongruenz. Eine solche Anforderung gilt Transaktivistas als Menschenrechtsverletzung. Entsprechend veröffentlichte eine Antifa-Gruppe aus Bern auf Instagram ein Statement aus dem Umfeld der Transperson, in dem es unter Anderem heißt, dass die Beschwerde einiger Frauen im Marzilibad „transfeindlich“ sei. Und in bestem linksautoritären Duktus:

„Das Marzili hat ein TERF-Problem und ist strukturell transfeindlich. Die Stadt Bern muss dieses Problem aufarbeiten und Verantwortung dafür übernehmen.“

Doch wie wäre es, wenn Transaktivistas zur Abwechslung mal Verantwortung dafür übernähmen, was sie an illusorischen Glaubenssätzen verbreiten? Wer kein Passing hat, also äußerlich nicht problemlos im Identitätsgeschlecht wahrgenommen wird,  stößt zwangsläufig an Grenzen. Und wer sich nicht einmal ansatzweise Mühe gibt, die eigene Identität auch äußerlich mit einigermaßen Glaubhaftigkeit zu versehen, scheitert oft ebenfalls an der Realität. Dabei wären mehrere Frauen durchaus zu Toleranz bereit, wenn die Bemühungen erkennbar sind und das Verhalten stimmig ist, wie man in einigen Statements in diversen Medien lesen konnte: Aber ein so offensichtlich männliches Erkennungsmerkmal wie ein Penis war naturgemäß nicht hinnehmbar, jedenfalls nicht in diesem frauengeschützten Bereich.

Ideologie statt gesunder Menschenverstand

Mit der queerfeministischen Trans-Ideologie ist jedoch der gesunde Menschenverstand über Bord gegangen. Lesenswert dazu ist auch ein Beitrag auf X von Chris Brönimann, der vor seiner Detransition unter dem Namen Nadia eine der bekanntesten Transfrauen in der Schweiz war:

„Als Person, die diesen Weg selbst gegangen ist, spreche ich aus Erfahrung: Während meiner Transition wäre es mir aus Respekt vor Frauen nie im Traum eingefallen, eine Frauenbadi zu betreten. In dieser Situation hätte ich mich entschuldigt und wäre freiwillig gegangen, um die Eskalation im Keim zu ersticken. Solange ein Penis vorhanden und der Körper als Mann lesbar ist, gehört man nicht in diesen Intimbereich. Das war für mich keine Rechtsfrage, sondern eine Frage des Anstands und Respekts vor der biologischen Realität.

Diese Werte gehen verloren. Seit eine laute, aktivistische Bubble das Thema politisiert, geht es nicht mehr um Akzeptanz, sondern um das Erzwingen von Rechten mit der Brechstange. Die vereinfachte Geschlechtsänderung per Sprachakt in der Schweiz schafft absurde Realitäten. Ein Passeintrag ändert nichts an der physischen Realität. Wenn dieses Papier genutzt wird, um kompromisslos Vorrechte einzufordern, die die intimsten Grenzen der Mehrheit verletzen, läuft etwas fundamental schief.“

Intimsphäre ist Frauen wichtig

Wie wichtig diese intimen Grenzen sind, zeigt eine nicht-repräsentative und inoffizielle Befragung, die die Berner FDP-Lokalpolitikerin Chantal Perriard unter 50 Nutzerinnen im Bad durchgeführt hat. Rund 82 Prozent der befragten Frauen haben gegenüber Perriard angegeben, dass die Anwesenheit einer Person mit männlichen Geschlechtsmerkmalen in einem reinen Frauenbereich ihre Intimsphäre beeinträchtigen würde.

Hingegen demonstrieren Äußerungen der Politikerin Ursina Anderegg vom Grünen Bündnis, die 2024 in die Berner Stadtregierung gewählt wurde und der Direktion für Bildung, Soziales und Sport vorsteht, warum „linksgrün“ zur Chiffre für Realitätsverlust geworden ist. Anderegg hat die öffentliche Entschuldigung der Stadt Bern maßgeblich verantwortet. Im Interview mit der Zeitung Der Bund sagte sie:

„Das ist der Kern der Auseinandersetzung: die Frage, wer eine Frau ist oder nicht, wer ein Mann ist oder nicht. In Bezug auf die Schutzräume der Stadt Bern gilt die Selbstdeklaration. Das ist ein Menschenrecht. Jede Person hat das Recht, für sich die Geschlechtsidentität festzulegen. Darum gilt für uns, dass als Frau gilt, wer sich als Frau fühlt – unabhängig vom amtlichen Eintrag.“

Dementsprechend will Anderegg nun die Angestellten des betroffenen Bades schulen, damit sie keine Peniswesen mehr aus dem Frauenbereich entfernen – wenn sich diese Wesen als „weiblich“ sehen. Stattdessen soll das so geschulte Personal dann Frauen abweisen, die sich über den Mann in ihrem Bereich beschweren. Oder dazu bringen, auch Penisse künftig als weiblich zu lesen. Ob eine solche Umerziehung gelingt, darf bezweifelt werden. Viel eher sorgt man dafür, dass die Abneigung gegenüber Transpersonen zunimmt.

Über den Autor

Till Randolf Amelung

Till Randolf Amelung ist Redakteur des IQN-Blog und seit Juli 2024 auch Mitglied des IQN-Vorstand. Als freier Journalist veröffentlicht er mit Schwerpunkt auf geschlechterpolitischen Themen sowie in anderen Medien und in wissenschaftlichen Sammelbänden wie dem Jahrbuch Sexualitäten der IQN. Seit der Jahrbuch-Ausgabe für 2026 gehört er auch zu den Herausgebern.